Individualität

Das Konzept der Individualität bzw. der individuellen Unterschiede ist aus meiner Sicht von großer Bedeutung und kann in jeder Lebenssituation angewandt werden. In diesem Kontext, nämlich dem des Cluster Kopfschmerzes, spielen die individuellen Unterschiede meines Erachtens auch eine sehr große Rolle. Letztere wird immer entscheidender, wenn es darum geht die richtige Medikation zu finden, Schmerzintensität zu definieren oder die Art und Weise, in der jemand mit dem Schmerz umgeht, zu betrachten.

[1] Medikation

Wie man unter Therapieoptionen lesen kann, gibt es eine Reihe an Medikamenten, die für die Behandlung des Cluster Kopfschmerzes in Frage kommen. Jedoch scheint keines dieser Medikamente die "wahre Ursache2 des Clusters zu bekämpfen. Letztere ist, wenn wir uns an das Kapitel Pathophysiologie erinnern, auch noch weitestgehend ungeklärt. Dennoch zeigen sie alle in ihrer gewissen Art und Weise bei gewissen Menschen ihre positve Wirkung in Form von Schmerzfreiheit oder zumindest eine Schmerz- und Attackenreduktion. Die Medikamente, die ich unter Therapieoptionen nenne, ist natürlich nicht vollständig, es gibt sicherlich noch andere Medikamente, die in der Clusterprophylaxe angewandt werden.

Die Tatsache, dass es eine Reihe von Medikamenten gibt, sie aber noch lange nicht bei jedem Menschen gleichermaßen erfolgreich wirken, zeigt, dass jeder Körper auf ein Medikament in einer anderen Weise reagiert. Jeder menschliche Körper ist jedoch einzigartig. Wir verfügen in der Regel alle über die gleichen Organe, jedoch scheinen sie alle auf ihre eigene Art und Weise auf bestimmte Einflüsse zu reagieren. Mein Herz wird nicht genau dasselbe sein, wie das meines Vaters und umgekehrt (Beispiel).

Verapamil ist das Medikament erster Wahl im Zusammenhang mit dem Cluster Kopfschmerz. Bei vielen Menschen reicht die Gabe von Verapamil alleine aus, um eine Schmerzfreiheit zu erlangen. Dennoch gibt auch viele Menschen, bei denen Verapamil alleine nicht wirkt, jedoch aber eine Kombination bestehend aus Verapamil und einem anderen Medikament. Es besteht jedoch auch noch die Möglichkeit, dass jemand Verapamil oder ein anderes Medikament aufgrund zu vieler Nebenwirkungen oder einer Unverträglichkeit überhaupt nicht zu sich nehmen darf.

Wenn man diese individuellen Unterschiede in Betracht zieht und berücksichtigt, dass bisher noch keine Heilung für den Cluster gefunden wurde, ist es unerlässlich, dass man eine gute Patient-Doktor (und umgekert) Kommunikation aufrecht erhält. Und natürlich sollte man, so schwierig es einem manchmal auch erscheint, niemals die Geduld verlieren.

Manchmal ist es, wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß,  ein langer Weg bis zur richtigen Medikation und der richtigen Dosis sein. Ich nenne es immer "Fine-Tuning". Wenn man nicht in ständigem Kontakt bzw. Austausch mit seinem Arzt steht oder dieser Austausch erst gar nicht zustande kommt, dann verringern sich die Chancen, dass schnell gute, zufriedenstellende Resultate erzielt werden können.

Es ist außerdem sehr wichtig, einen verständnisvollen, geduldigen und nicht zuletzt auf dem Gebiet bewanderten Arzt an seiner Seite zu haben- einen Neurologen oder noch besser: Einen Kopfschmerzspezialisten.

Deutsche Websitebesucher, die einen geeigneten Arzt in ihrer Region suchen, sollten einen Blick auf folgende Website werfen:

www.dmkg.de

[2] Bewältigungsstil

Jeder Mensch wurde als Individuum geboren und hat sich dementsprechend im Laufe seines Lebens an sein Lebensumfeld und der damit verbundenen Lebenssituation angepasst. Wir haben alle ein sehr unterschiedliches Schmerzempfinden und daher auch verschiedene Bewältigungsstile. Menschen mit Cluster Kopfschmerz leiden an sehr heftigen Schmerzen, dennoch geht jeder einzelne von uns mit den Schmerzen anders um:

  • einige schaukeln im Stuhl, gehen vor und zurück und andere schlagen ihren Kopf gegen alle möglichen Objekte [absolut nicht empfehlenswert!]
  • einige wollen alleine gelassen werden und schließen sich in ihren Zimmern ein und andere wollen, dass ihr bester Freund oder ihre beste Freundin bei ihnen bleibt, weil sie Angst haben
  • einige wollen während einer Attacke sprechen, andere lehnen das Sprechen ab
  • einige weinen oder schreien während einer Attacke, andere sagen einfach nichts
  • einige versuchen weiterzuleben, einige werden sehr depressiv und andere entwickeln sogar Selbstmordgedanken*
  • etc.

Es gibt viele Beispiele dafür, wie man mit dem Cluster umgeht bzw. umgehen kann. Du solltest versuchen mit deinem Partner/Freund/Verwandten/etc. zu sprechen und ihm mitteilen, wie er sich am besten während einer Attacke verhalten soll.

*) Wenn du irgendwann bemerkst, dass jemand Selbstmordgedanken entwickelt, solltest du dringend professionellen Rat einholen!